Ob wir auch noch in zwanzig Jahren an 2020 als das „Corona-Jahr“ oder das „verrückte Jahr“ zurückdenken? Noch nie zuvor wurde so viel in der breiten Öffentlichkeit über das Lernen mit digitalen Medien diskutiert. Auch Kolleginnen und Kollegen des mmb-Teams haben sich dazu ihre Gedanken gemacht. Sie blicken zurück auf persönliche Erfahrungen, sehen, was sich in kürzester Zeit verändert hat und leiten daraus Trends und Erkenntnisse für die kommenden Jahre ab. Hier sind ihre Geschichten:

 

  1. Eilmeldung: Digitales Lernen ist doch wichtig!

Als Anfang 2020 die ersten Meldungen aus Italien kamen und Bilder davon zeigten, was Covid-19 anrichten kann, war das wohl für die meisten Menschen in Deutschland trotz allen Schreckens noch ziemlich weit weg. Erst als die ersten Infektionen in Deutschland gemeldet wurden, wurde die Stimmung auch in Deutschland alarmierter. Hatten die meisten Covid-19 anfänglich noch für Hysterie und eine etwas schwerere Gruppe gehalten, zeigten die akuten Hamsterkäufe im März dann doch sehr schnell, dass wir es mit einem anderen Kaliber zu tun hatten.

Was zunächst noch vollständig surreal wirkte – leere Regale in den Supermärkten, ausverkaufte Frischhefe (ich glaube immer noch, dass niemand wirklich Brot gebacken hat!) und Prügeleien an der Kasse um die letzten Pakete Toilettenpapier – war auf einmal Realität geworden.

Der erste Lockdown kam. Die Straßen wurden leer. LKWs durften erst gar nicht mehr fahren, dann langsam wieder. Die Autobahnen waren leergefegt. Ebenso der Himmel. Die Grenzen waren dicht, kein Flugzeug durfte starten. Außer den wenigen, die Nachschub für die leeren Toilettenpapierregale brachten.

Und die Schulen wurden dicht gemacht. Zum ersten Mal in der Geschichte der Bundesrepublik war das Bildungssystem komplett heruntergefahren worden. Es ging nicht anders. Und niemand konnte sagen, wann sich das wirklich wieder ändern würde. Das Land, in dem das Internet seit jeher als Neuland gilt, war auf einmal auf funktionierendes WLAN, eine gewisse Geräteausstattung zu Hause und die Digitalkompetenz ihrer Lehrerinnen und Lehrer angewiesen.

Das funktionierte erwartungsgemäß nur mäßig. Im Ausland wurden wir verlacht und bekamen von einer ganzen Reihe von Nationen gezeigt, wie man digitales Lernen richtig macht, angefangen bei Estland, über Schweden, Singapur, Neuseeland und sogar Brasilien – sie alle waren viel besser auf eine solche Situation vorbereitet als wir hier in Deutschland.

Auf einmal dürfte vielen Menschen aufgegangen sein, wie schnell geradezu existentiell wichtig eine gute digitale Anbindung von Bildungseinrichtungen im 21. Jahrhundert sein kann. An vielen Stellen wurde im ersten Lockdown großartige Arbeit geleistet. Viele Lehrerinnen und Lehrer sind sehr kreativ geworden, haben sich im Schnellverfahren weitergebildet, Software angeschafft und alles getan, um den Unterricht irgendwie am Laufen zu halten.

Was allen klar geworden sein dürfte ist, dass Digitalisierung definitiv nicht wieder verschwinden wird und dass sie nicht – wie in Deutschland gerne konstatiert – „der Teufel“ ist, sondern tatsächlich ein rettender Engel in der Not sein kann. Es steht zu hoffe, dass diese Erkenntnis bleibt. Und dazu führt, dass die technischen und administrativen Probleme, die ja schon lange bekannt sind, nun endlich einmal angegangen werden.

Julia Hense

 

  1. Schule@Corona: Sternstunde der Datenschutzbürokratie?

Jetzt begebe ich mich auf glattes Eis, wo wir doch alle hierzulande unseren Datenschutz so schätzen und anscheinend sogar Tim Cook und das gesamt Google und Facebook-Management voller Begeisterung auf die europäischen Datenschutzregelungen blicken… Andererseits bin ich mir natürlich bewusst, dass das Datenschutz-Bashing immer eine leichte Übung ist. Aber trügt mich mein Eindruck, dass die Corona-Krise für die Schulen in Deutschland weniger eine Sternstunde für die Digitalisierung war (und ist), als vielmehr zum Dauer-Zenit unserer Datenschutzbürokratie geführt hat? Wenn man nach Gründen für das fast schon institutionalisierte Scheitern des Digitalen Lernens an unseren Schulen sucht, dann wird man jedenfalls die DSGVO mit all ihren komplizierten Regelungsbedarfen nicht ganz außer Acht lassen können. Wobei hinzugefügt werden muss, dass es nach meiner Erfahrung oft gar nicht in erster Reihe die professionellen Datenschützer sind, als vielmehr einzelne besorgte Eltern oder Lehrende, die schrill Alarm schlagen, wenn wieder irgendwo Teams oder Whatsapp eingesetzt wird…Und das nicht immer zu Unrecht. Also wie wärs, wenn wir dann mal allesamt auf diese so bedenklichen Anwendungen konsequent verzichten würden – auch und gerade in den zuständigen Aufsichtsbehörden?? (Siehe Berliner Zeitung: Lichtenberger Grundschule tritt in eine Art „Digitalstreik“). Leider ist unsere Datenschutzmoral aber allzuoft eine ganz schlichte Datenschutz-Doppel-Moral.

Ulrich Schmid

 

  1. Konzeptlose KMK in der Corona-Krise

Wir schreiben den Sommer 2020. Die gesamte Bundesrepublik ist erleichtert den Corona-Frühling überstanden zu haben. Besseres Wetter bedeutet weniger Viren und damit mehr Freiheiten. Das ganze Land feiert seine wiedererworbene Reisefreiheit und frönt der Sommerfrische. Das ganze Land? Nein, ein Gremium leistet erbitterten Widerstand und fügt sich nicht der allgemeinen Tendenz zur Entspannung.

Die Kultusministerkonferenz weiß um die Gefahren, die im Winter auf uns zukommen werden. Die KMK weiß, dass sie jetzt aktiv werden muss, jetzt Ideen entwickeln muss, wie man im Winter, wenn die Infektionszahlen zweifellos wieder steigen werden, den Unterricht gut sicherstellen kann. Deshalb arbeitet sie unermüdlich an Konzepten, wie das gut gehen kann.

Man könnte jetzt vermuten, dass die Lösung zweifellos digitale Medien beinhalten würde, ein Modell des Hybridunterrichts, vielleicht ein Schichtsystem. Im besten Fall ein schnell bereit gestelltes Lernmanagementsystem – Schleswig-Holstein hat´s vorgemacht und sich dabei bei der Namensgebung selbst übertroffen (sh.it´s Learning). Vielleicht noch ein paar Leitfäden für Lehrerinnen und Lehrer, Guidelines für den Umgang mit dem Datenschutz und womöglich sogar Hinweise darauf, welche Anwendungen für den Unterricht gut geeignet sein könnten – aber das hatte Verena Pausder ja schon erledigt.

Die KMK ist stattdessen traditioneller vorgegangen und hat sich für klassischere Ansätze entschieden: Lüften, Masken und Abstand halten. Das muss reichen. Und um der Bildungsgerechtigkeit Genüge zu tun, müssen die Schulen ohnehin offenbleiben. Bleibt nur zu hoffen, dass die KMK sich das mit den 4K für das 21. Jahrhundert – Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken – nochmal genauer ansieht. Im Sommer nächstes Jahr ist sicher wieder Zeit dafür.

Julia Hense

 

  1. Plötzlich sind sie da: Self Assessments zur Messung von Medienkompetenz

„Medienkompetenz? Die kann man nicht empirisch messen – da muss man einen Menschen mindestens sechs Monate persönlich begleiten, um wirklich Aussagen über dessen Medienkompetenz machen zu können.“ Das war die Standardantwort, die man in 2000er-Jahren erhielt, wenn man ExpertInnen nach der Messung von Medienkompetenz fragte. Im Jahr 2006 habe ich in einem Buchbeitrag „Impulse zur Kompetenzmessung aus der Berufswelt“ erste Ideen für ein empirisches Messinstrument formuliert. Das Ergebnis: Im Wochenrhythmus erhielt ich Anfragen von Studierenden und PraktikerInnen, die dieses Instrument gerne einsetzen wollten. Das Problem: Es fehlte an einem Auftraggeber, um ein wirklich valides Kompetenzmessverfahren zu entwickeln.

Erst nach 2013 erstellte das BIBB (mit Unterstützung des mmb Instituts) eine erste Systematik von sechs Medienkompetenzdimensionen, mit der Ausbildende und Berufsschullehrende die Medienkompetenz ihrer Azubis beschreiben können (Studie „Medien anwenden und produzieren“).

Der Durchbruch kam mit dem Erscheinen des DigComp 2.0:The Digital Competence Framework for Citizens von Riina Vuorikari et. al.. Dieses Dokument der EU-Kommission wurde zur Basis für verschiedene weitere Medienkompetenztests, u.a. einem game-basierten Assessment von talent::digital (mit Unterstützung des mmb Instituts) [https://talentdigital.eu/], in dem man in einer simulierten Arbeitssituation seine Digitalkompetenzen unter Beweis stellen kann.

Mit dem „DigitalCheckNRW“ kann jedermann und jedefrau in einem Self Assessment die eigene Medienkompetenz auf sechs Dimensionen überprüfen und erhält nach Beendigung des Tests Vorschläge zu Präsenz- und Online-Kursangeboten, die bestimmte Teilkompetenzen weiter vertiefen helfen. Seit September 2020 ist der vollständige Test unter www.digitalcheck.nrw erreichbar. Das mmb Institut hat hierfür das Konzept entwickelt, realisiert wurde es durch die GMK (Gesellschaft für Medienpädagogik und Kommunikationskultur).

Inzwischen taucht die Frage auf: „Wenn wir Medienkompetenz jetzt so gut messen können – was ist denn dann mit anderen Soft Skills, z.B. Teamfähigkeit, Lernkompetenz, Führungskompetenz?

Lutz Goertz

 

  1. Virtual Classrooms vs. Videokonferenzsysteme: Robuste und preiswerte Systeme setzen sich durch

Ein weiterer Blick zurück in die Mitte der 2000er Jahre: Wenn man seinerzeit über das Lernen im „Virtual Classroom“ sprach, dann dachte man meist an „Centra“. Dieser Dienst war damals schon browserbasiert und konnte ohne Vorinstallation von vielen Lernenden genutzt werden. Außerdem bot Centra, das damals von der Firma Saba übernommen wurde, zahlreiche Funktionen, die dem Lernen im Präzenzklassenräumen entsprachen (z.B. Zeichenfunktion, Abstimmungstool).

Dann kam Macromedia Breeze, das später von Adobe unter dem Namen „Connect“ vertrieben wurde. Beeindruckend war hier, dass viele User gleichzeitig an einem Webinar teilnehmen konnten ohne dass es Probleme mit der Bandbreite gab (aber man musste dafür die Kamera abschalten). Okay, die Funktionen waren schlanker als bei Saba Centra, aber dafür konnte man Connect auch für Arbeitsbesprechungen verwenden. Für eine ganze Weile war Adobe Connect ein wichtiges Standardinstrument im Online-Lernen. Auf mobilen Geräten wie Smartphones und Tablets wirkte allerdings auch Adobe Connect mit seiner grafischen Darstellung noch überfrachtet. Erst Skype von Microsoft zeigte, wie man mobile Video-Kommunikation einfacher gestalten konnte, dass sogar die Oma es für ihre Telefonate mit dem Enkel nutzte – und als Freemium-Version war Skype mit seinen Basisfunktionen kostenlos.

Dann kam Anfang 2020 die Corona-Pandemie. Die Präsenzangebote fielen nach dem ersten Shutdown weg und Frage lautete: Wer macht jetzt bei Online-Seminaren als Anbieter das Rennen – Saba Centra, Adobe Connect oder Skype for Business? Antwort: Zoom, GotoMeeting und BigBlueButton. Ohne nun einen ausführlichen Marktvergleich anzustellen – diese drei Systeme entpuppten sich in der Zeit nach der ersten Corona-„Schockstarre“ auch bei großen Teilnehmerzahlen als besonders stabil (vor allem als Client-Lösung), waren leicht zu bedienen und vor allem preisgünstig. BigBlueButton als OpenSource-Software läuft sogar datenschutzkonform auf dem unternehmenseigenen Server. Das wichtigste war aber: Die Trennung zwischen Kommunikations- und Lerntools war hier endgültig aufgehoben. Und das ist eine Konstellation, die wir beim Lernen auch in Zukunft noch häufiger antreffen werden (z.B. Computer der Produktionsmaschine oder eines LKWs als Lernwerkzeug).

Lutz Goertz

 

  1. Erste Homeoffice-Memes gesichtet

Mit dem Lockdown im März 2020 begann die Ära des Homeoffice und damit auch die glanzvolle Zeit der Homeoffice-Memes. So viele Menschen wie nie zuvor, waren auf einmal gezwungen, sich mit Webkonferenzen und Videotelefonie auseinanderzusetzen. Und wie immer, wenn Deutschland sich mit technischen Fragen auseinandersetzen muss, klappt das nicht ganz reibungslos. Angefangen bei den „Klassikern“ wie dem wahlweise stummgeschalteten oder zu Unzeiten angeschalteten Mikro oder der Kamera, über Kinder und Haustiere, die unerwartet im Hintergrund durch´s Bild laufen – manche dieser Videos schafften es sogar bis in die Nachrichten, weil sie ganze Nationen zum Lachen brachten, man erinnere sich an den Journalisten Robert Kelly und seine Frau, die versucht, die Kinder wieder einzufangen. Bis hin zu teilweise sehr privaten Einblicken in die eigenen Haushalte – Webkonferenzen bringen ganz neue Gewohnheiten und Einsichten ans Tageslicht.

Und wie immer, wenn die Republik sich über etwas austauscht, erscheinen schnell die ersten Memes. Die Bandbreite ist riesig. Angefangen beim Hütehund, der jetzt vom Bildschirm aus die Schafe hütet, über Katzencontent, der das Thema aufgreift bis hin zu Vergleichen in Bezug auf die Kleidung im Büro und vorm heimischen Rechner. Man wetteifert, wer den schönsten oder kreativsten Zoom-Hintergrund hat – definitiv der Typ, der sich vor der Webkonferenz selbst gefilmt hat, um dann mitten in der Webkonferenz selbst durch die Tür zu spazieren.

Den Höhepunkt bildet aber zweifellos die Debatte um die Frage: Homeoffice – mit oder ohne Hose, die sogar Jan Hofer erreicht, den an Seriosität wohl nicht zu überbietenden langjährigen Tagesschausprecher, der ein wirklich unfassbar lustiges Video darüber dreht, wie die Tagesschau aussehen würde, wenn er im Homeoffice wäre. Offenbar haben wir Deutschen doch Humor.

Julia Hense

 

  1. Virtuelle Veranstaltungsformate: Neue Standards und verblüffende Innovationen

Die Corona-Pandemie hat uns dazu gebracht, dass wir Zoom & Co. nicht nur als Kommunikationstool und ab und zu für Webinare verwenden. Videokonferenzsysteme wurden sogar zum Backbone für Konferenzen, Barcamps und andere Veranstaltungen. Und wer befürchtet hat, dass Corona den Tod von Messen und Veranstaltungen bedeutet, sah sich bald eines Besseren belehrt: Sie „alten“ Veranstaltungen wurden digital, neue Veranstaltungen kamen hinzu. Und die Anreise war plötzlich kein Hindernis mehr. So konnte man notfalls auch drei Tagungen gleichzeitig verfolgen.

Und noch eines hat die Digitalisierung von großen Bildungsveranstaltungen gebracht: Im Rahmenprogramm kamen weitere innovative Formate zum Einsatz mit dem Ziel, funktionale Alternativen für das „Socializing“ zu finden, das man rund eine Präsenz-Tagung kennt. Breakout Rooms für das zwanglose Gespräch in kleineren (Arbeits-)Gruppen waren der erste Schritt. Motivationstools mit spielerischen Quiz- und Voting-Formen wie „Mentimeter“ und „Kahoot“ kamen hinzu. Anwendungen wie „Wonder“ ermöglichen im Vorfeld zufällige Gespräche. Mit „Miro“ und „Flinga Wall“ werden Arbeitsergebnisse kollaborativ erstellt und festgehalten.

Und mit dem verstärkten Einsatz von Virtual Reality-Systemen für Konferenzen deutet sich die nächste Innovationswelle an. Konferenz- und Arbeitsumgebungen wie „Altspace VR“ oder „TRICAT Spaces“ bringen virtuelle Konferenzen in die dritte Dimension und kommen dem Austausch auf einer Präsenzveranstaltung zumindest näher als eine Zoom-Konferenz, auch wenn die Begegnung mit alten Bekannten in Form von Avataren noch gewöhnungsbedürftig ist… („Gut siehst Du aus! Und abgenommen hast du auch…“).

Lutz Goertz

 

  1. KI@Education: Great Expectations…

Die Idee des personalisierten Lernens ist zwar nicht neu, aber mit KI bekommt sie derzeit wieder richtig viel Wind unter ihre Flügel – und das mit gutem Grund. Denn was läge näher, als die beliebten sprachgestützten Assistenten auch als persönliche Lern-Tutoren einzusetzen (z.B. für nicht-Muttersprachler)? Weshalb nicht Learning-Data Analytics dazu nutzen, um Lernenden individuelle Prognosen zu Ihrer kommenden Prüfung bereit zu stellen? Und auch intelligente Empfehlungssysteme sind ja nicht nur beim Online-Shopping hilfreich (wo sie inzwischen für rund 30% des Umsatzes verantwortlich sind), sondern mindestens genauso gut auch beim Online Lernen. Kurzum: KI-basiserte Bildungslösungen bieten jede Menge Möglichkeiten für zeitgemäße Formen des Lernens. Das Problem ist nur: In der Wirklichkeit unseres Bildungsmarktes sind sie nur selten anzutreffen – zumal auf dem deutschen Markt. Zwar steckt KI heute irgendwie in fast jeder Software – und damit auch in jedem Lernsystem. Aber das bedeutet eben keineswegs, dass die digitalen Lernangebote nun generell „adaptiv“ und „smart“ wären.

Als wir uns im Rahmen mehrerer Projekte in diesem Jahr auf die Suche nach KI-gestützten Lernanwendungen machten, stellte sich jedenfalls schnell Ernüchterung ein. Fortgeschrittenere Lösungen, die bereits als Produkte im Markt sind, finden sich insb. für den schulischen Bereich vor allem in China und Asien. In Deutschland wird fast ausschließlich auf „Bettermarks“ verwiesen… Woran liegts? DSGVO? Fehlende Innovationskraft? Kein Markt? Angst vor KI und Datenkraken? Müsste man mal genauer untersuchen…

Ulrich Schmid

 

  1. Kommt die nationale Bildungsplattform? 

Ein anderes beliebtes Thema in diesem Jahr war die immer wieder und von verschiedensten politischen und ministeriellen Seiten prominent erhobene Forderung nach einer „Bildungsplattform“ – am besten sogar gleich einer „Nationalen“. Zusammen mit Volker Zimmermann habe ich dazu einen ausführlicheren Beitrag verfasst: Ein Netflix für die Online-Bildung.  Meine Meinung dazu: Ja, eine umfassende Online Bildungsplattform wäre großartig. Aber, um es mit Karl Valentin zu sagen: „Sie macht auch viel Arbeit“. Der Aufwand entstände vor allem im Hintergrund, wenn es um Schnittstellen, Standards, APIs, Formate, Administration, Geschäftsmodelle, Urheberecht, Datenschutz etc. geht. Ein User-Interface zu designen, das so ähnlich aussieht wie Netflix, wäre hingegen der einfachste Teil davon. Während in vielen anderen relevanten Marktsegmenten, z.B. im Einzelhandel oder in den Musikindustrie, übergreifende, nutzerorientierte und hocheffiziente Plattformen entstanden sind, ohne dass der Staat nachhelfen musste, wird die „unsichtbare Hand“ eines extrem segmentierten, heterogenen und dazu überwiegend öffentlich finanzierten Bildungs-„Marktes“ wohl kaum dazu führen, dass eine nationale Bildungsplattform „von selbst“ entsteht. Es bräuchte m.E. hierfür – mehr noch als in anderen Bereichen – einen von vielen Mitspielern akzeptierten Akteur, der (oder die) ein solches Vorhaben treiben und im Sinne aller Teilnehmer gestalten könnte. Wer könnte das besser als das mmb Institut 😉

Ulrich Schmid